Das Licht hinter den Wolken

Lied des Zwei-Ringe-Lands

Month: July, 2012

Faune Sommerspecial 1

Barde. Kein besonders hübscher Faun, aber in seinen Hobbys — die er mit Janner teilt — durchaus exemplarisch. Anscheinend habe ich damals schon eine unbewusste Verbindung zwischen Flöten und Schwertern gezogen …

Faune waren die wohl prominenteste “Eigenkreation” meiner Rollenspielwelt und stellten im Zweiringeland nach den Menschen die größte Bevölkerungsgruppe. Ich wollte ein Volk haben, das den Menschen den Spiegel vorhält (Linkshänder, Schwerenöter, Anarchisten — egal was die Menschen machten, Faune taten es andersrum, und besser).

Faune haben herbstlaubfarbene Haut (also rötlich bis orangerot oder braun mit Stichen ins auberginefarbene) und prominente Kämme an Schultern, Ohren, Brauen und Stirn. Ursprünglich hatte ich sie als von Natur aus kahl definiert. Heute gehe ich davon aus, dass die meisten sich bloß den Schädel rasieren oder eine hohe Stirn haben (in etwa so wie Cardassianer vielleicht). Ihre Namen haben immer eine Bedeutung, und sind meistens der Natur entlehnt: Oleander, Rose, Neuntöter, Silberstein. (Janner heißt Janner, weil er im Jänner geboren ist. Für die Linguisten unter meinen Lesern sei gesagt: Das /æ/ und das als Zischlaut gesprochene <j> sind der Dialekt der Provinzen).

Über Faune

Bevor ich mich in eine sommerliche Blogpause verabschiede, nach der es dann wahrscheinlich auch ein paar Neuigkeiten zu vermelden gibt, veröffentliche ich diese Woche noch eine weitere Leseprobe. Es handelt sich dabei um eine Szene, die ich bereits letztes Jahr auf dem BuCon gelesen habe. Darin erzählt Janner, die männliche Hauptfigur, April aus seinem Leben, und wie er an das Schwert seines Vaters kam. Man lernt dabei die Welt ein wenig kennen … und erfährt ein kleines bisschen über Faune: Zur Leseprobe

Faune — oder Fealva, wie sie sich selbst nennen — sind eines der drei nichtmenschlichen Völker, die ich letzte Woche erwähnt habe (Eolyn und Timei sind die anderen beiden). Sie sind dabei die häufigsten der drei, und lebten früher in weiten Teilen des Imperiums friedlich mit den Menschen zusammen. Wenn es nach ihnen ginge, hätte sich daran nicht auch viel geändert — der Kaiser allerdings war leider anderer Meinung.

Weil Bilder mehr als tausend Worte sagen, habe ich ein paar alte — sehr alte! — Bilder eingescannt, die hier den August über für Kurzweil sorgen werden. Ich weiß, das ist riskant, weil nichts geeigneter ist, die Leser vor den Kopf zu stoßen, als Bilder, die ihrer Fantasie zuwiderlaufen. Aber was soll’s. Ich möchte dennoch betonen:

  • Diese Bilder sind alle beinahe zwanzig Jahre alt, und es gibt einen Grund, weshalb ich heute schreibe und nicht zeichne.
  • Diese Bilder stellen die Faune meiner Rollenspielwelt dar, nicht die den Menschen optisch etwas ähnlicheren Fealva meines Romans.
  • Janner ist nur “zur Hälfte” Fealv, zur anderen Mensch. Man darf ihn sich von daher weiterhin als beliebig attraktiven Mann mit rötlichbrauner Haut und schwarzem Haar vorstellen!

Ab nächster Woche also: das große Faune-Sommerspecial …

Weltenbau

Weltenbau war in unserem Freundeskreis immer schon ein Hobby. Grund hierfür war natürlich, wie so häufig, Rollenspiel — plus die Tatsache, dass wir nie exzessiv Systeme wie AD&D, DSA oder MERS gespielt haben, sondern selbst kreativ geworden sind. Mein erster regelmäßiger Spielleiter hatte bereits unzählige Karten zu seiner Welt gezeichnet, auf der er mit stoischer Geduld all den Unsinn verteilte, den seine Spieler ihm präsentierten — denn natürlich hatte jeder von uns seine eigenen Ideen für menschliche, “tolkieneske” oder ganz andere Kulturen (ich war damals ein Elfennarr, die meisten meiner Charaktere waren aber dennoch Menschen).

Meine erste Rollenspielwelt war noch ein eher langweiliger Kontinent mit ein paar hingewürfelten Städten, Wäldern und Gebirgen; nun fing ich noch einmal von vorn an und überlegte mir gleich zu Beginn eine Geographie und was für Reiche und Einflussgebiete es geben sollte. Aus Übermut entschied ich mich für den relativ detaillierten Maßstab von 1 : 4.000.000 (1 cm = 40 km) und begann zu zeichnen. Damit war ich dann erst Mal eine Weile beschäftigt, aber irgendwann hatte ich immerhin die Mitte des Kontinents, den ich das Zweiringeland taufte, kartographiert — auf 42 Einzelkarten DIN A4. Zusammengelegt sah das dann so aus:


Weiter ist das Projekt zwar nie gediehen, aber es reichte für viele Jahre Spiel. Aus Gründen des Pragmatismus gab es auch im Zweiringeland noch die “klassischen” Völker, in mehrfacher Ausfertigung und für jeden Geschmack über etwa sechzig halbwegs ausgearbeitete Länder verteilt: Zwerge aus 1001 Nacht, Western-Orks, Hoch- und Dunkelelfen, europäische und asiatische Kulturen, Antike und Renaissance. Bald aber waren die Eigenkreationen auf dem Vormarsch: In der letzten großen Kampagne auf dieser Welt war der Einfluss des “Herrn der Ringe” zumindest in der Gruppe dann völlig verschwunden.

Ich habe lange – sehr lange – überlegt, in was für einer Welt “Das Licht …” spielen sollte. Ich war hin- und hergerissen zwischen dem Zweiringeland, einem weiteren Rollenspielszenario, das wir ein paar Jahre später entwarfen, und dem Versuch, ganz bei Null zu beginnen. Ich habe mich schließlich für alles und keins davon entschieden, sondern in einem schmerzhaften Prozess aus allen verfügbaren Ideen die Elemente ausgewählt, die mir unverzichtbar erschienen (und nicht direkt der Fantasie Tolkiens oder eines anderen Autors entsprangen), und neu zusammengefügt. Geographisch ist diese Welt dem Zweiringeland noch am nächsten; das historisch-technologische Durcheinander hat sich irgendwo im Bereich des irdischen 16./17. Jahrhundert eingependelt; es gibt drei prominente nichtmenschliche Völker, von denen die meisten Menschen wenigstens einmal gehört haben; und Magie ist deutlich seltener und weniger psychedelisch, als sie einmal war. Eine neue Karte ist in Arbeit, aber noch nicht fertig.

Nächste Woche: Eine neue Leseprobe … und ein paar Worte über Faune.

Andere Welten

“Das Licht zwischen den Wolken” ist der erste meiner Romane, der nicht in unserer Welt spielt, sondern einem Fantasy-Setting. Eine Frage, die in diesem Kontext gerne gestellt wird, lautet: Was ist der Reiz daran? Wieso tut man das?

Ich weiß dann nie, was ich sagen soll, weil ich mir nie ausgesucht habe, Fantasy zu mögen, genauso wenig, wie ich mir ausgesucht habe, dass mir Fruchteis schmeckt, Nuss aber nicht. Mit sechzehn habe ich — auch dank manch traumatischer Erfahrung im Deutschunterricht — Nichtfantasy (und Nicht-SF) noch strikt abgelehnt. Wahrscheinlich war Peter S. Beagles “Das Volk der Lüfte” der erste in unserer Welt angesiedelte Roman überhaupt, der mir wirklich etwas bedeutete. Und selbst da bricht im Laufe der Handlung “echte” Magie ein. Read the rest of this entry »

Material sammeln

Einer der Gründe, weshalb von mir nur alle paar Jahre ein Buch erscheint, statt ein paar Bücher pro Jahr, ist, dass ich meine Texte sehr häufig überarbeite. Ich fange praktisch mit einer Art Skizze an und schraffiere und radiere dann solange daran herum, bis ich zufrieden bin. Das Ergebnis wird im Lektorat dann mit schwarzem (oder eher, rotem) Stift nachgefahren, und dem fertigen Buch sieht man die “Schmierereien”, mit denen es begann, hoffentlich nicht mehr an.

Das ist etwas, was viele Leute, die mit Schreiben nichts am Hut haben, nicht verstehen: Man setzt sich nicht mit einer Idee an einen Tisch und schreibt eine Geschichte, vom Anfang bis zum Schluss. Man setzt sich monatelang immer wieder an diesen Tisch, und bastelt und bastelt und bastelt. Die Manuskripte, die ich abgebe, sind nie Erstfassungen, sondern immer Dritt-, Viert- und Fünftfassungen. An manchen Stellen vielleicht auch Zwölftfassungen. Read the rest of this entry »