Das Licht hinter den Wolken

Lied des Zwei-Ringe-Lands

Month: December, 2012

Gewinnspiel

Das Jahr ist vorbei, das neue steht vor der Tür. Und nicht mehr lange, dann wird auch “Das Licht hinter den Wolken” endlich erscheinen — und dieser Blog sich seinem Ende nähern.

Zur Feier des Endspurts, und als Dankeschön an die Leser, die den Blog fast ein Jahr lang begleiteten, möchte ich eines der ersten Exemplare, die ich selbst von Klett-Cotta bekomme, verlosen. Und nicht nur irgendeines: Dieses Mal wird nummeriert und signiert. Die ersten zehn Exemplare sind folgendermaßen verplant:

Nummer 1 und 2 bleiben in Privatbesitz. Nummer 3, 4, 5 und 6 gehen an die vier Menschen, die das Buch bereits kennen und mir mit ihrer Unterstützung und ihrer Kritik eine große Hilfe waren. Nummer 7, 9 und 10 gehen bei Bedarf an meine Illustratorin, meine Agentur und eine alte Freundin. Und Nummer 8 wird verlost.

Warum die 8? 2013 werden mit dem “Licht …” acht Publikationen unter meinem Namen erschienen sein (neben den Romanen mitgerechnet: “Gagarin’s Underpants”, das “Narnia”-Rollenspiel, meine Dissertation, und ein kleines Projekt, das ich demnächst bekanntgebe). Das Zweiringeland hat, wie man unschwer erraten kann, ungefähr die Form einer 8. Bis zum März sind es noch 8 Wochen Zeit (Bücher haben eine Tendenz, etwas früher zu erscheinen als anvisiert), und überhaupt … die 8 ist eine schöne Zahl.

Weil ich regelmäßigen Lesern eine kleinen Vorteil geben möchte, läuft das Gewinnspiel wie folgt ab: Die nächsten acht Wochen gebe ich am Ende jedes Beitrags einen Hinweis auf einen älteren Beitrag hier im Blog. Jeder Hinweis führt zu einem Buchstaben. Am Ende steht ein Lösungswort mit acht Buchstaben, das ihr mir zumailt. Wenn ich mehrere Mails mit richtigem Inhalt bekomme, wird gewürfelt.

Ich wünsche euch allen eine schöne Silvesternacht!

Weihnachtszeit ist Tolkienzeit

Klett-Cotta pflegt natürlich eine besonderes Verhältnis zum Hobbit, nicht erst seit dem aktuellen Programm. Michael Klett, Sohn des damaligen Verlagschefs Ernst Klett, ist es zu verdanken, dass Tolkiens Werk überhaupt ins Programm genommen wurde. Und heute, über vierzig Jahre nach dieser begrüßenswerten Entscheidung, ist Tolkiens Einfluss auch auf die deutsche Fantasy so immens, wie es in einem keinen anderen Genre denkbar wäre.

Gestern waren wir also im Hobbit, und zwar so, wie Peter Jackson das gewollt hätte: in 3D, HFR OV. Ersteres ist für mich immer noch ein Nullsummenspiel (es bringt im selben Maße Mehrwert, wie es mich auch stört); über die höhere Bildfrequenz könnte ich dasselbe sagen; den Film auf Englisch zu schauen (das haben Freunde, die ihn zuvor auf Deutsch sahen, bestätigt), war auf jeden Fall ein Gewinn. Es folgen ein paar nicht ganz unkritische Gedanken zum Film, “mild spoilers” inklusive.

Um es gleich zu sagen: Ich bin kein besonderer Fan der Peter-Jackson-Filme. Ich lehne sie nicht ab, aber sie berühren mich auch nicht derselben Weise wie die Bücher. Teilweise liegt das daran, dass sich Jacksons Liebe zum Detail nicht mit einem ordentlichen Schnitt zu vertragen scheint; alle seine Tolkien-Verfilmungen wirken bereits wie der Director’s Cut ihrer selbst, und das von vielen Kritikern angesprochene “Heimvideo-Feeling” des jüngsten Films rührt nicht nur von den 48 Frames, sondern auch dem Umstand, dass die Charaktere oft minutenlang in theatral arrangierten Bühnenbildern herumstehen, in denen einem die Dialoge nichts über das Gesehene Hinausgehende vermitteln. Aufgebrochen werden diese Längen von relativ sinnfreien Actionsequenzen, in denen Charaktere wie Gandalf Gefahr laufen, ihre Gravitas zu verlieren, und die ungeahnte Schärfe des dreidimensionalen Bildes für eine Überfrachtung des Geschehens sorgt, wie man sie sonst nur aus Massenszenen in PC-Spielen kennt. Der Film verliert in diesen Momenten im wahrsten Sinne seinen Fokus.

Als positiv empfand ich dagegen die schauspielerische Leistung insbesondere Martin Freemans sowie die Passagen, in denen Jackson sich traute, auf kreative Weise mit der Vorlage umzugehen. Auch die Szenen im Düsterwald fand ich keineswegs so grenzwertig wie andere Zuschauer; im Gegenteil waren es gerade diese Szenen, die für mich den Eindruck einer magischen Welt lebendig machten, die von den Kräften des Lebens und der Elemente selbst regiert wird, und in der Menschen eine allenfalls marginale (in diesem Film: gar keine) Rolle spielen.

Ich muss gestehen, es ist lange her, dass ich Tolkien gelesen habe. Aber was mich an den Büchern mehr als alles andere fasziniert hat, war, dass in jedem Moment der Handlung Tolkiens Welt und ihre schiere Weite durchschimmerte — und nicht nur auf der räumlichen Achse: Man spürte ebenso die Welt, die davor, und die, die jenseits davon lag. Was mich als Leser bei der Stange hielt, war das Versprechen, den Hintergrund all der Lieder und Legenden zu erfahren. Und für die Charaktere lautete das Versprechen, Teil dieser größeren Geschichte zu werden, in der sie dann regelrecht aufgingen, bis sie am Ende auf den Elbenschiffen am Horizont entschwanden.

Diese Faszination übt Der Hobbit – Eine unerwartete Reise nur in sehr wenigen Momenten aus; vor allem naturgemäß denen, in denen Jackson auf Bekanntes aufbauen kann. Der Auftritt Galadriels und Sarumans in Bruchtal war für mich ein solcher Gänsehautmoment; und Bilbos Begegnung mit Gollum war es auch. Dazwischen aber gab es zu viele Szenen, die man sich besser für einen Director’s Cut aufgespart hätte.

Kartenzeichnen

Einer der großen Vorzüge, die ich beim “Licht …” genoss, war, dass man mich sehr vieles, was mir wichtig war, selbst umsetzen ließ. Dazu gehörte nicht zuletzt die Weltkarte, die jeder ordentliche Fantasyroman braucht. Ich habe hier bereits über das Zweiringeland erzählt, und auch mit Judith Gor von Literatopia habe ich mich vor zwei Wochen darüber unterhalten.

Am Anfang stand bei mir, wie meistens, Papier und Bleistift. Ich habe die Grundform meiner alten Rollenspielwelt variiert und an meine Bedürfnisse angepasst, wobei ich von vornherein auf den Maßstab, Reisewege und den Handlungsverlauf geachtet habe. Der Scan der Skizze sah dann erst mal so aus:

Dann ging es weiter am Computer: Küsten nachfahren, Berge schattieren. Ich wollte relativ schlicht arbeiten und die Karte nicht mit halbgaren Zeichnungen und offensichtlichen Computertexturen überfrachten.

Im nächsten Schritt habe ich dann angefangen, die handlungsrelevanten Ortschaften zu platzieren. Etwa in diesem Stadium habe ich dann auch Rücksprache mit dem Verlag gehalten und erfahren, dass man gerne mit einer höheren DPI-Zahl arbeiten würde … Eine gute Gelegenheit, nochmal von vorne zu beginnen.

In den letzten Arbeitsschritten dann haben sich dann noch eine Menge Neuerungen ergeben. Viele Details gerieten von vornherein besser als bei der alten Version. Ich lieh mir erst ein Grafiktablett von einem Freund, dann kaufte ich mir selbst eins. Und zu guter Letzt half mir Karin Graf, die auch die Illustrationen im Buch gezeichnet hat, noch mit einer Prise Effektmagie … und das ist das Endergebnis:

Fahnenkorrektur

Und wie erwartet, hier sind sie: die Druckfahnen, und es ist einfach unglaublich, wie viele Fehler man auch beim gefühlt achtzehnten Lesen noch findet, die bisher noch keinem Mensch, besonders einem selbst nicht, aufgefallen sind.

Die Freude, das Buch endlich so zu sehen, wie es mal sein wird, mischt sich mit dem blanken Entsetzen darüber, auf jeder zweiten Seite noch Änderungen anbringen und anderen Leuten damit wieder Arbeit machen zu müssen, während man panisch zwischen Laptop und Papierstapeln rotiert. Aber so ist es immer — egal, wie lange man an einem Buch arbeitet.

Bei Klett-Cotta gibt es derweil das Frühjahrsprogramm als Download, mit dem Cover des “Lichts” auf der “U1 (= Umschlagseite Eins)”, wie das im Fachsprech so schön heißt (mir war das Wort neu, aber auf der Frankfurter Buchmesse habe ich mehrmals gehört, wie es gebraucht wurde, meist mit einem gewissen ehrfürchtigen Entzücken in der Stimme). Ich finde, es macht sich gut, und möchte betonen: Beide Schwerter sind absolut handlungsrelevant.

Auch muss ich meine Schätzung vom April nach oben korrigieren: 688 Seiten sind es geworden. Man stellte mir sogar ein Lesebändchen in Aussicht.

Vorschau

Und jetzt ist sie endlich da, die erste Vorankündigung bei Klett-Cotta. Ich bin damit natürlich sehr glücklich, ebenso wie mit dem Cover von Max Meinzold. Da auch nach diesen Dingen oft gefragt wird, hier ein bisschen Hintergrund zu diesen “Werbemitteln”.

Ich genoss bei diesem Buch ein ungewöhnlich großes Maß an kreativer Freiheit. Das beginnt beim Titel, der — im Gegensatz zu den “Magiern von Montparnasse” — diesmal von mir stammt. Auch das Cover folgt einem Vorschlag von mir. Es war zu dem Zeitpunkt noch nicht klar, ob wir das Buch “Das Licht hinter den Wolken” oder “Banneisen und Schneeklinge” nennen würden, deshalb beschlossen wir, vorsorglich beides auf dem Cover unterzubringen: Das Licht und die beiden Schwerter. Ich bin sehr froh, dass es das Licht geworden ist, denn obgleich sich dieser Titel vielleicht nicht ganz so schnell erschließt, ist er, wenn man das Buch gelesen hat, meines Erachtens der bessere.

Das Aussehen der Schwerter folgt weitgehend, aber nicht ganz der Beschreibung im Buch. Eine wirklich enge Abstimmung ist in einem solchen Fall, in dem ein größerer Verlag ein Cover vielleicht noch über den Umweg einer Agentur bei einem Künstler einkauft, logistisch nicht ganz leicht, aber auch nicht nötig. Schon bei den “Magiern” entstand das Problem, dass die Figuren auf dem Einband nicht wirklich den Figuren der Handlung entsprachen. Das war aber egal, weil das Cover den “Spirit” des Buchs einfing, und so verhält es sich auch hier. Ich habe frühe Versionen des Covers gesehen und weiß, dass es eine Zeitlang Gespräche darüber gab, wie verschnörkelt der Schriftzug sein durfte oder sollte, und was von der Berglandschaft im Hintergrund zu halten wäre. Ich für meinen Teil habe mich in allen Stadien des Covers sehr gut in der Stimmung wiedergefunden, die es vermittelt. Insbesondere das rote Bändchen an Schneeklinges Heft hat es mir angetan. Auch wenn der “Roadmovie”, den ich ursprünglich einmal erzählen wollte, heute nicht mehr ganz so im Vordergrund steht, ist es genau dieses Bändchen, das für mich die Liebesgeschichte im sonst für die Charaktere nicht immer erquicklichen Gang der Dinge ausmacht. Wäre es ein Gegenwartsroman, hätte ich mir zwei überkreuzte Pistolen auf dem Cover gewünscht.

Der Untertitel erfüllt gleich zwei Funktionen: Der Verlag wollte ein klares Signal, dass es sich um einen Fantasyroman handelt. Ich wollte ein Hintertürchen, durch das ich eine Welt für künftige Geschichten etablieren konnte. Wohlgemerkt KEINE Fortsetzungen — das “Licht hinter den Wolken” ist genauso abgeschlossen wie alle meine Romane bisher. Aber die Welt, die für das Buch aus der Taufe gehoben wurde, böte noch Gelegenheit für andere Geschichten, in anderen Zeitaltern (ob es dazu je kommen wird, hängt natürlich vom Erfolg des Buches ab). Allerdings ist daraus auch eine leicht absurde Situation erwachsen: Auch wenn die Welt oder präziser der Kontinent für mich gedanklich immer das Zweiringeland war, fällt das Wort kein einziges Mal im Text. Doch mehr dazu die nächsten Wochen.

Auch am Klappentext durfte ich mitarbeiten. Das wiederum ist gar nicht mal so ungewöhnlich, andererseits ist es eine Aufgabe, um die sich die meisten Autoren nicht gerade reißen. Mir zumindest fällt es sehr schwer, Werbetexte für meine eigenen Bücher zu schreiben, und auch wenn es heißt, dass man in der Lage sein sollte, jede Geschichte in 1-3 Sätzen zu pitchen, bieten sich meine Plots in der Regel irgendwie nicht dazu an. Das letzte Wort hat dann ohnehin der Verlag, der natürlich vor allem bemüht ist, seine Stammleserschaft anzusprechen. Man kann davon halten, was man will, aber Klappentexte sind wichtig für den ersten Eindruck, fast so wichtig wie Cover und Titel. So gesehen sind sie immer eine Gratwanderung, jedes Wort ist ein Risiko, und in Anbetracht dessen bin ich mit dem Ergebnis wirklich zufrieden.

Zu guter Letzt gibt es den berühmten “Blurb”. Damit meine ich speziell wohlwollende Einzeiler oder Kommentare von Rezensenten, oder — dank der traditionellen Missachtung des Genres — insbesondere für uns Fantasten auch von Kollegen. Wahrscheinlich bringen sie exakt gar nichts, aber sie gehören zur Tradition. Blurbs werden meist vom Verlag angefragt, und obwohl es kein Geheimnis ist, dass Christoph und ich befreundet sind, haben mich weder er noch mein Lektor hier einbezogen. Und deshalb freut es mich.