Plotten

by Oliver Plaschka

Diese Woche beginne ich mit einer Reihe von Beiträgen über jenen sensiblen Bereich beim Schreiben, zu dem es zwar viele Theorien gibt — aber wenige Autoren lassen sich dabei gern in die Karten schauen.

Der Grund dafür — zumindest bei mir — ist, dass die Entstehungszeit eines Romans oft von großen Unsicherheiten begleitet ist. Zwar liebe ich es, mir ganz unverbindlich Gedanken über eine Geschichte zu machen (man könnte das auch einfach als “Tagträumen” bezeichnen) — aber ab dem Moment, da man konkrete Entscheidungen treffen muss, beginnt die Arbeit. Dass diese Arbeit bis zu einem gewissen Termin erledigt sein muss (schließlich hat man ja einen Vertrag unterschrieben) hilft auch nur bedingt.

Der Prozess ist deshalb so belastend, weil mit jeder Entscheidung, die man trifft, eine Möglichkeit sich als Fakt manifestiert und eine andere verloren geht. Es ist wie mit der berühmten Wegkreuzung — und jeder Weg, den man wählt oder nicht wählt, hat Einfluss auf die Reise. Zurückgehen kommt meistens nicht in Frage, nicht nur aus Zeitgründen, sondern auch, weil mich solche Revisionen noch mehr verunsichern.

Früher habe ich einfach alles auf mich zukommen lassen; mein Rat an junge Autoren wäre auch nach wie vor, es genauso zu tun (Stephen King sagte einmal, er schreibe seine Bücher immer “ein Wort nach dem anderen”, und so entstanden auch meine ersten — nie veröffentlichten — Romane). Mit der Zeit hat sich das bei mir dann geändert.

Das erste, was ich gelernt habe, war, mich besser auszudrücken. Das zweite war, Charaktere zu zeichnen, die nicht nur für mich interessant sind. Das dritte, eine “gute Geschichte” zu erzählen — wenn ich so drüber nachdenke, war es beim Rollenspiel eigentlich relativ ähnlich.

Heute bin ich der Ansicht, dass jede Form von Vorarbeit, die in den Aufbau einer Geschichte fließt, gut ist. Massen an Listen, Notizen und sonstigem Material überfordern in diesem Stadium eher — jede Form von Struktur dagegen ist Gold wert. Eigentlich ist es ziemlich egal, was für eine Struktur das ist; man hat beim Romane schreiben deutlich mehr Freiheiten als beispielsweise ein Drehbuchautor. Dennoch gibt es bestimmte Formen, die sich bewährt haben; z.B. klassische Mehrakter oder die berühmt-berüchtigte Heldenreise.

Aber auch selbsterfundene Strukturen können nützlich sein, denn es geht vor allem darum, die Arbeit in handliche Schritte und Einzelszenen zu unterteilen, die keine Angst vor der leeren Seite mehr aufkommen lassen, und die Position wichtiger Höhen und Tiefen der Geschichte zu kennen, bevor man mit Volldampf in sie hineinrauscht. Dadurch vermeidet man auch automatisch, dass solche Wendungen unvorbereitet oder gar unpassend wirken. Man steckt sich also gewissermaßen die Route ab, ehe man sich auf den Weg macht — selbst wenn man noch nicht richtig weiß, was es unterwegs zu essen gibt.

Nächste Woche: Konkrete Beispiele.