Material sammeln

by Oliver Plaschka

Einer der Gründe, weshalb von mir nur alle paar Jahre ein Buch erscheint, statt ein paar Bücher pro Jahr, ist, dass ich meine Texte sehr häufig überarbeite. Ich fange praktisch mit einer Art Skizze an und schraffiere und radiere dann solange daran herum, bis ich zufrieden bin. Das Ergebnis wird im Lektorat dann mit schwarzem (oder eher, rotem) Stift nachgefahren, und dem fertigen Buch sieht man die “Schmierereien”, mit denen es begann, hoffentlich nicht mehr an.

Das ist etwas, was viele Leute, die mit Schreiben nichts am Hut haben, nicht verstehen: Man setzt sich nicht mit einer Idee an einen Tisch und schreibt eine Geschichte, vom Anfang bis zum Schluss. Man setzt sich monatelang immer wieder an diesen Tisch, und bastelt und bastelt und bastelt. Die Manuskripte, die ich abgebe, sind nie Erstfassungen, sondern immer Dritt-, Viert- und Fünftfassungen. An manchen Stellen vielleicht auch Zwölftfassungen.

Der erste Schritt aber ist es, alle Ideen, die sich im Laufe der Zeit zu einem Projekt angesammelt haben, mit dem anvisierten Aufbau (siehe dazu hier) in Deckung zu bringen. Natürlich ist das ein wechselseitiger Prozess, d.h. Art und Umfang der Ideen bestimmen den Aufbau, und der Aufbau befördert oder behindert bestimmte Ideen. Also: Material sichten, verwerfen, verknüpfen, anpassen usw. Das sieht (ansprechend arrangiert) dann beispielsweise so aus:

Dies ist eine für mich typische Materialsammlung — zu jedem meiner Bücher existierten vergleichbare Sammlungen. In diesem Fall waren es: viele lose handgeschriebene Notizen, einige abgetippte Notizen, mehrere Notizbücher, Karten (über die Einflüsse meiner alten Rollenspielwelt auf den Roman später mehr), natürlich das Exposé (man sollte nie aus den Augen verlieren, was man dem Verlag ursprünglich verkauft hat) und zu guter Letzt selbst noch Disketten (kennt das noch wer?) — und zwar für den Atari ST (ja, man kann das retten, aber es ist etwas knifflig. Ich hatte erwähnt, dass die Ursprünge des Romans sehr weit zurückreichen …?)

All das galt es zu berücksichtigen, bis es am Ende entweder am Whiteboard hing, im Papierkorb landete oder mir in digitaler Form zur Verfügung stand. Die Dateiensammlung auf dem Laptop sah dann irgendwann so aus.

Nächste Woche: Ein paar Bemerkungen zum Weltenbau.