Lieblingssätze

by Oliver Plaschka

Es gibt den schönen Satz, dass ein Buch nie fertiggestellt wird, bloß aufgegeben. Während der Ursprung dieses Ausspruchs ziemlich schwer zu belegen ist (sinngemäß etwas in der Art haben wohl Paul Valéry, E. M. Forster aber auch Leonardo da Vinci schon gesagt) ist mir sein Wahrheitsgehalt in der letzten, vielleicht vorletzten Woche vor Abgabe doch sehr offensichtlich.

Ich habe in einem meiner früheren Posts ja gesagt, dass die Fassungen, die ich abgebe, immer zig mal überarbeitet sind. Momentan ist der Stand der Dinge, dass ich mich in einer Art Vorlektorat befinde; ich habe die letzten Wochen zwei Ausdrucke des Romans abgearbeitet, einmal mit eigenen Korrekturen, einmal mit denen meines Lektors, und nehme jetzt noch letzte Umbauarbeiten vor. Zum Feinschliff gehört für mich auch das Herausarbeiten von Leitmotiven; oder dafür zu sorgen, dass bestimmte “Regeln” konsequent im Roman Anwendung finden (zum Beispiel redet Sarik mit dem Irrlicht ohne Anführungszeichen, das Schwert Schneeklinge ist eine “sie”, kein “es”, usw.)

Nach der Abgabe wird das eigentliche Lektorat beginnen. Irgendwann wahrscheinlich im Oktober werde ich also noch einmal die von meinem Lektor korrigierte Version abarbeiten, dann gebe ich abermals ab. Etwa im Januar werden mich wahrscheinlich die Druckfahnen erreichen, wo ich ein letztes Mal Gelegenheit für kosmetische Korrekturen haben werde. Erst dann ist das Buch – zumindest inhaltlich – tatsächlich “fertig” … oder eben aufgegeben, je nachdem, wie man das sieht. Zur Leipziger Buchmesse ist es dann hoffentlich schon erschienen.

Bis dahin anbei (in aufsteigender Reihenfolge) ein paar meiner Lieblingssätze, die mir bei der Durchsicht wiederholt ins Auge fielen. Ich mag es, unterschiedliche Register zu bedienen, und hoffe, dass auch die Leser die Wortwahl im jeweiligen Kontext als der Situation angemessen empfinden werden:

3.) In der Alten Zeit, als die Eolyn ihre Türme aus Alabaster und Elfenbein gen Himmel bauten, und noch Friede zwischen allen Völkern im Reich bestand, da lebte in Pherenaïs ein Mann namens Iladas, der Handel mit den Kindern des Sommerlands trieb, die im Norden der Insel eine Stadt und einen Hafen besaßen.

2.) Ich erzählte ihm von der Verkettung unglücklicher Umstände, die mich schließlich erst in die Arme der weiten See und dann die der schönen Jasmin getrieben hatte, die ungleich grausamer war als die See, obgleich sie doch so viel süßer duftete, doch da unterbrach er mich wieder und schüttelte den Kopf.

1.) “Dein Sohn war ein Arschloch”, sagte er schließlich, in der Hoffnung, so schneller einen Konsens herbeizuführen. “Er hat gekriegt, was er verdient hat, und ich würde es wieder tun. Ich scheiße auf sein Grab und das seiner Mutter.”

In diesem Sinne: eine frohe Woche!