Gastgespräch mit FABIENNE SIEGMUND, Teil 1

by Oliver Plaschka

Fabienne SiegmundFabienne Siegmund ist Autorin, Herausgeberin zahlreicher Anthologien und Redakteurin der Zeitschrift “Blätterwelt”. Zuletzt erschienen von ihr “Die Einhörner” beim Verlag Torsten Low, für die ich ein Gedicht von Peter S. Beagle übersetzen durfte; als nächstes wird sie dort eine Anthologie zum Thema “Tarot” betreuen. Außerdem ist Fabienne einer von momentan fünf Menschen, die das Manuskript komplett gelesen haben.

Oliver: Hallo Fabienne, freut mich sehr, dass Du Dir die Zeit nimmst, Dich ein wenig mit mir über das “Licht …” zu unterhalten.

Fabienne: Gerne. Es freut mich, ein wenig über die Hintergründe des Buchs zu erfahren. Wie und wann ist die Idee dazu entstanden?

Oliver: Die Idee zum Buch ist sehr, sehr alt. Ich würde schätzen, die ersten Entwürfe gehen gut zwanzig Jahre zurück. Bloß geschrieben habe ich es damals nie.

Nach den “Magiern von Montparnasse” und dem “Kristallpalast” schien mir endlich der passende Zeitpunkt gekommen – ich wollte eine neue Richtung einschlagen und begann es komisch zu finden, als “Fantasyautor” noch keinen “richtigen” Fantasyroman geschrieben zu haben. Außerdem begann ich zu fürchten, dass es vielleicht nie etwas werden würde, wenn ich noch länger damit wartete. Also arbeitete ich ein Exposé aus. Zum Glück hat es meinem Lektor gefallen.

F: Wie war es, eine komplette Welt zu ersinnen?

O: Gott sei Dank musste ich nicht bei Null beginnen, sondern habe Teile meiner alten Rollenspielwelt entliehen. Zwar besteht bei so was immer die Gefahr, zu viele Einflüsse zuzulassen, die eigentlich nicht zur Geschichte passen. Aber der Vorteil, mich in einer Welt bereits Zuhause zu fühlen, wog die Nachteile auf. Die Hauptschwierigkeit war also eher das Rauskürzen der “unerwünschten Elemente”, das Neu-Erfinden der Welt.

F: Gab es – in Ermangelung eines besseren Wortes nenne ich es mal – Vorbilder für die Geschichte? Ähnlich wie bei den “Magiern”, in denen Peter S. Beagles “Es kamen drei Damen im Abendrot” als Inspiration für das Setting gedient haben?

O: Keine direkten, nein. Aber ein paar sehr verschiedene Inspirationen, die ich versucht habe, unter einen Hut zu bringen. Zum einen wollte ich mal so etwas wie einen Roadmovie in einer Fantasywelt erzählen. Ich hatte da immer diese verrückte Vision von Bruce Willis und Antonio Banderas, die mit zwei großen Breitschwertern auf dem Rücken eine Taverne auseinandernehmen … Gleichzeitig wollte ich eine Geschichte über ein junges Mädchen und einen uralten Zauberer erzählen … und über eine Reihe weiterer Figuren, über die ich die kommenden Wochen noch berichten werde.

Das alles in eine Geschichte zu gießen war nicht leicht. Und weil die Geschichte diesmal im Vordergrund stehen sollte, habe ich versucht, mich stilistisch ein wenig zurückzuhalten. Einzig in den Passagen, die von der “alten Zeit” erzählen, habe ich vielleicht ein wenig Lord Dunsany emuliert, und ich hoffe, das funktioniert. Ein paar der schmutzigen Witze hätten wohl auch von James Branch Cabell stammen können.

Fortsetzung nächste Woche: über Irrlichter, Unterschiede und Wunschträume.